Die Obdachlosenfrisörin

18/05/2015
V I D E O | E M S   Franziska Dinter wird von einem Zug überrollt. Monatelang liegt sie im Koma. Als sie aufwacht, ist alles weg: ihr Mann, ihr Haus, ihr Friseursalon. Das ist der Moment, in dem sie beschließt, anderen zu helfen.

Franziska Dinter schneidet Menschen die Haare, die sich das nicht mehr leisten können. Immer mittwochs in der Mission am Bahnhof Zoo. Immer freitags in der Wärmestube in Königs Wusterhausen. Jeden Tag der Woche an einem anderen Ort. Dafür verlangt sie kein Geld, obwohl sie selbst von 600,- Euro im Monat lebt.

Warum macht sie das? Gemeinsam mit Mara Nolte habe ich Franziska Dinter auf ihrer allwöchtlichen Tour begleitet. Ganz am Ende sind wir mit ihr zu dem Bahnübergang gefahren, an dem sie vor vielen Jahren von einem Zug überrollt wurde. Es ist der Ort, an dem sich ihr Leben radikal änderte.

Der 10-minütige Dokumentarfilm ist das Abschlussprojekt unserer TV-Ausbildung an der Electronic Media School.

„Das Erste, was den Menschen verloren geht, […] das ist die Menschenwürde. Dann legen sie kein Wert mehr auf ihr Äußeres. Weder auf Haare, auf Zähne, noch auf Schuhe. Und dann werden sie als Assi abgestempelt. Ich bin so dankbar, dass beim Unfall vieles kaputt gegangen ist. Aber das, was ich zum Haareschneiden brauche, ist unverletzt geblieben.“

Franziska Dinter