Der teuerste Heimatfilm aller Zeiten

12/07/2015
V I D E O | V I C E   “Der Zirkus ist in der Stadt“: Polizisten kontrollieren Polizisten. Journalisten filmen sich selbst. Aktivisten singen immer das gleiche Lied. Beim G7-Gipfel haben wir das Making-of zum wohl teuersten Heimatfilm in der Geschichte Deutschlands gedreht. Sebastian Weis vor der Kamera, ich dahinter.

Am ersten Juliwochenende haben sich die Regierungschefs der sieben sogenannten wichtigsten Industrienationen zum G7-Gipfel getroffen. Das Treffen fand im Schlosshotel Elmau in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen statt. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen beim letzten Treffen in Deutschland in Heiligendamm 2007 wurde auch in Bayern mit heftigen Protesten durch G7-Gegner gerechnet. Die Polizei reagierte—mit dem größten Polizeiaufgebot in der Geschichte Bayerns.

Für geschätzte 130 Millionen Euro (der Steuerzahlerbund in Bayern schätzt 360 Millionen) wurden in Garmisch-Partenkirchen mindestens 20.000 Polizisten aus ganz Deutschland zusammengezogen. Die trafen auf 4.000 Aktivisten, die aus der ganzen Welt zum Protest angereist waren und es (im Gegensatz zu geschätzt mindestens noch mal so vielen) durch die Kontrollen geschafft hatten. Ebenfalls vor Ort: rund 3.000 Journalisten. Auf der Suche nach der besten Geschichte und den dramatischsten Bildern wurde jeder Grashalm dreimal umgedreht. Als Demonstranten einen kleinen Papierpanzer anzünden, nehmen Fotografen und Kameraleute die Szene unter Feuer als wäre es ein Kriegsschauplatz. Weil die Proteste übersichtlich blieben, filmten Journalisten andere Journalisten, um überhaupt über etwas berichten zu können.

Dieser Film ist auf VICE erschienen.