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Philipp Katzer

Lebt seit der Geburt in Berlin und arbeitet hier als freier Journalist und Autor. Seine Werke werden in Magazinen, im Rundfunk und im Internet veröffentlicht. Er sagt: "Ich habe auf alles eine Frage."

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High auf Reinigungsmittel

18/03/2017
V I D E O | F U N K   Die Droge GBL macht abhängiger als Heroin. Wer minimal zuviel trinkt, kann davon sterben. Doch weil GBL als Lösungsmittel wichtig für die Industrie ist, gibts das Zeug legal im Internet. Mein Film für Jäger & Sammler (ein investigatives Magazin von FUNK, dem jungen Angebots von ARD und ZDF).

In der Partyszene ist GBL (im Street Slang “Geee” oder “Liquid Ecstasy” genannt) sehr beliebt. Der Grund: die Droge ist extrem billig und legal im Internet zu bestellen. Denn GBL wird von der Industrie als Lösungsmittel verwendet. Erst im Körper des Menschen wird GBL zu GHB synthetisiert, einer Substanz, die dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt ist. Falsch dosiert kann GBL / GHB tödlich wirken.

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Das neue Kiew

22/01/2017
T V | S P I E G E L  T V   Fast 3 Jahre nach der Revolution entwickelt sich die ukrainische Hauptstadt zu einem der spannendsten Orte Europas. Inmitten von Krieg und Wirtschaftskrise entsteht ein kreativer Mikrokosmos: Unternehmer gründen Startups, Künstler schaffen Platz für Kultur, Studenten eröffnen Clubs. Unsere 45-minütige Doku für SPIEGEL TV verbringt einen Tag mit fünf jungen Kiewern, die ihren Traum von einer neuen Ukraine verwirklichen.

Max gehört zu den jungen Kreativen der Kiewer Startup-Szene und träumt von einer internationalen Karriere. Ivona hat Hilfstransporte an die Front im Osten organisiert und unterstützt heute Veteranen, in ein normales Leben zurückzufinden. Oleksander und sein Künstlerkollektiv Izolatsya mussten aus dem Kriegsgebiet flüchten, in einer alten Werft im Kiewer Hafen lassen sie ein riesiges Kreativzentrum entstehen. Uljana macht Karriere als Nachrichtensprecherin im Fernsehen, obwohl sie im Rollstuhl sitzt. Und Alina versucht im pulsierenden Kiewer Nachtleben ihren Alltag als Assistenzärztin zu vergessen.

Fünf junge Menschen, die von einer Zukunft in ihrem Land träumen. Ein Land, das von seinen Widersprüchen fast zerrissen wird. Hier geht es zum Film: bit.ly/spiegelKIEW

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Die Pille

21/11/2016
V I D E O | F U N K   Wer die Antibabypille nimmt, kann davon sehr krank werden. Denn jeder Körper reagiert anders auf die zugeführten Hormone. Doch viele Gynäkologen verschweigen die Risiken der Pille. Für Jäger & Sammler (ein investigatives Magazin des jungen Angebots von ARD und ZDF) war ich mit der YouTuberin Suzie Grime und versteckter Kamera beim Frauenarzt. Was wir dabei erlebt haben, hat uns schockiert Mindestens irritiert.

Nach dem Zufallsprinzip haben wir Termine bei drei Gynäkologen in Berlin vereinbart. Suzie will sich die Pille verschreiben lassen, ich bin als ihr Partner mit versteckter Kamera dabei.

Während sich der erste Arzt noch relativ viel Zeit für die Beratung nimmt, über Vor- und Nachteile sowie Risiken der einzelnen Pillen spricht, sind die Gespräche bei den beiden anderen Ärzten viel zu kurz (9 und 3 Minuten). Schlimm: keiner der beiden fragt Suzie nach Thrombose-Vorerkrankungen in ihrer Familie oder ob sie Raucherin sei. Zwei Dinge, die laut der Checkliste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für die Verschreibung der Antibabypille dringend abgefragt werden müssen. In unserem Mini-Test haben also zwei von drei Ärzten überhaupt nicht auf die Risiken durch die Einnahme der Pille hingewiesen. Als wir einen der Ärzte mit diesem Ergebnis konfrontieren, kommt es zu folgendem Dialog (sinngemäß):

Suzie: “Also würden Sie jetzt schon sagen, dass Sie mich guten Gewissens beraten haben, auch wenn wir jetzt den ganzen Teil mit der Thrombose-Vergangenheit meiner Familie und dem Rauchen und all diesen Dingen eigentlich gar nicht besprochen haben?”

Arzt: “Ich denke, dass die Frauen auch soweit aufgeklärt sind, dass Sie selber fragen stellen können, ob es gut für sie ist. Man kann ja auch von den Patienten etwa erwarten.

Suzie: ”Ok, das heißt, es liegt in meiner Verantwortung zu fragen , ob Rauchen ein Problem wäre.”

Arzt: ”Es liegt sowieso in ihrer Verantwortung, wenn Sie sich für so ein System entscheiden.”

Suzie Grime

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Ende Gelände

06/06/2016
T V | R B B  K L A R T E X T  „Scheiße vattenfall, heute lausitz, morgen überall!“, skandieren hunderte öko-aktivisten auf dem weg in die grube. gleich besetzen sie den tagebau welzow süd. weil Ein Ende der Kohleverstromung hier im östlichen brandenburg nicht in Sicht ist, leisten sie widerstand – auch mit illegalen Mitteln: Bagger besetzen, Transportgleise blockieren, den Tagebau so lange wie möglich still legen. wir waren für das rbb-Magazin klartext vier tage ziemlich nah dabei.

Ziel ist die Weltrettung. Gegen die Staatsmacht, die zu träge ist, den Klimawandel zu stoppen. Die Aktivisten haben gelernt: Die Polizei kann man einfach wegdrücken, wenn man stark genug ist. Den Ärger, wenn man festgenommen und angezeigt wird, nehmen sie dabei in Kauf. Denn „Die Zeit der Kompromisse ist vorbei“, sagen die Aktivisten vom Bündnis ‚Ende Gelände‘. Sie fordern, dass Öl und Gas im Boden bleiben. Die Zukunft des Planeten sei wichtiger als kurzfristiger Profit und Arbeitsplätze.

„Weltrettung im Tagebau“ (rbb, Mai 2016): ein Film von Jan M. Schäfer, André Kartschall und Philipp Katzer

Die meisten der Aktivisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Ihre Bewegung wächst von Monat zu Monat. Sie wollen die Eskalation. Sie sagen: „Die Politik ist zu langsam. Jetzt machen wir das. Gemeinsam werden wir an Pfingsten die Kohlebagger stoppen – mit einer großen Aktion zivilen Ungehorsams.“

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Antarktis

04/03/2016
V I D E O | A S I S I   Der Künstler Yadegar Asisi fährt in die Antarktis. Er Will die Eiswelt am Südpol in einem riesigen Rundbild verewigen. als Regisseur einer FilmDoku über asisis Reise bin ich mit an Bord. Und plötzlich mittendrin im wohl größten Abenteuer meines beruflichen Lebens.

Wenn wir schöne Dinge zum ersten Mal erleben, bleibt uns das manchmal für immer in Erinnerung. Ich bin mir sicher, ich werde diesen Montagmorgen im Februar nie vergessen. Wie ich die Treppe zum Deck hinaufsteige, noch ganz zerstreut von den vielen Tagen auf See. Wie ich noch in der Sekunde, bevor ich oben ankomme, davon überzeugt bin, dass wir niemals wieder Land sehen werden, dass wir über den Rand der menschlichen Welt hinausgefahren sind. Und wie es mich dann umhaut, einfach umhaut, als ich ihm zum ersten Mal begegne, dem sechsten Kontinent.

Paradise Bay Antarktis Katzer

Das Bild, das ich für diesen Moment im Kopf abspeichere, ist ein Gemälde: im Vordergrund tiefblaues, fast schwarzes Wasser, dahinter, aus dem Nichts, weiße Bergriesen, die von der Sonne angestrahlt werden wie ein Sänger auf der Bühne, ab und zu blitzt ein Felsen durch, und hoch über allem hängt der tiefgraue Himmel. Diese perfekten Farben, diese wohltuenden Gegensätze. Liebe Natur, hör auf zu prahlen!

Ich kann mich einfach nicht satt sehen am Meereshimalaya.

Elephant Island Antarktis Katzer
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Die Kunst der Verhandlung

09/12/2015
T V | N D R   Beim Weltklimagipfel in Paris sollen 10.000 Verhandler einen neuen Vertrag erschaffen. Sie ringen um jedes Wort. Nur wer eine gute Strategie hat, setzt sich durch. Filibustern, emotionale Ansprache, ablenkende Fragen: Berater Hans Verolme kennt die Tricks. Für einen NDR-Film hat er mir die unterschiedlichen Taktiken verraten.

Bevor ich den Insider Hans Verolme gefragt habe, ob er die Strategien der Verhandler für mich analysiert, hab ich erstmal selbst Verhandlungsatmosphäre geschnuppert. Und bin den UN-Delegierten mit meiner Kamera ganz schön nah gekommen. Als Video Reporter bin ich für das Projekt Das Paris-Protokoll beim Welt-Klimagipfel. Gemeinsam mit zehn Journalistenkollegen begleite ich die wegweisende Konferenz.

Es geht um Existenzielles auf der #COP21: um Stürme und Dürren, um Kohle und Gas – und um sehr viel Geld. Die Delegierten und Berater, die wir aufgespürt haben, brennen für Klimapolitik. Denn sie ringen um einen Kompromiss, und dabei kämpft jeder für die Interessen seines Landes. Der Druck ist groß: Manche erwarten von unseren Insidern nicht weniger als die Rettung der Welt.

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Wer liebt den VJ?

14/11/2015
B L O G | I N T E R V I E W   Die Jungs von wemanage.tv haben gefragt, wie ich mich als VJ selbst wahrnehme. Ich finde, es ist ein ganz gutes Interview geworden.

Der VJ, also der Video Journalist, manchmal auch Video Reporter genannt, ist derjenige, der alles selbst macht. Er bedient die Kamera, das Tongerät, das Schnittprogramm. Gleichzeitig ist er der Regisseur, der durch den Film führt, der die Interviews führt. Ein VJ stellt einen Film im Alleingang her. Er hat die technische, aber auch die inhaltliche Verantwortung für einen Beitrag. Außerdem organisiert er die Logistik und den zeitlichen Fahrplan. Über die Herausforderungen als VJ habe ich mit Lutz Cordges vom weblog gesprochen.

„Einerseits verleiht mir das eine sehr große Freiheit, auf der anderen Seite ist die Arbeit als Einzelkämpfer auch ein großer Stressfaktor. Man steht den ganzen Tag unter Strom, muss auf alles vorbereitet sein, ständig Entscheidungen treffen und darf dabei möglichst keine Fehler machen. Als VJ hat man die redaktionelle und die technische Verantwortung. Wenn ein Kabel nicht funktioniert, eine Festplatte abschmiert – du bist schuld.“

Philipp Katzer

Ich bin mit Flüchtlingen von Italien nach Deutschland gereist

11/08/2015
R e p o r t a g e | V I C E   Jeden Tag nehmen Hunderte Flüchtlinge Züge von Rom nach Deutschland, um hier Asyl zu beantragen. Die Polizei in beiden Ländern hat längst aufgegeben, sie daran zu hindern.

Wenn ich an Bozen denke, die Hauptstadt Südtirols, denke ich ans Wandern. Als ich 11 war, bin ich aus Bozen jeden Morgen mit meinen Eltern in die Berge losgezogen. Niedliche alte Häuser vor einem leuchtenden Alpenpanorama, das ist meine Erinnerung an die Stadt. Jetzt kehre ich zurück. Ich will mit eigenen Augen die Völkerwanderung sehen, die hier täglich stattfindet. Denn der Bahnhof von Bozen, ein Provinzbahnhof mit sechs Gleisen, ist in den letzten Wochen zu einem der wichtigsten Transitpunkte auf der Flüchtlingsroute nach Deutschland geworden: Rom – Bozen – Innsbruck – München.

Am Gleis 3 schultern zwei deutsche Rentner neben mir ihre Rucksäcke, als plötzlich ein ganzer Trupp Polizisten quer über die Schienen auf uns zu gerannt kommt. In schweren Uniformen stürmen sie an uns vorbei in Richtung Bahnsteig-Ende. Der Intercity aus Bologna fährt ein. Zielbahnhof: München. Ein Flüchtlings-Express.

Ich renne hinterher und sehe, wie die Carabinieri zehn junge Männer aus dem ersten Waggon holen. Einer von ihnen, mit einer großen Flieger-Sonnenbrille, wehrt sich. Als der Zug kurz darauf ohne die Gruppe weiterfährt, rastet er endgültig aus. Er versucht zu flüchten, doch die Polizisten kesseln ihn schnell ein. Er schmeißt sich auf den Boden, fängt an zu weinen. Einer der Polizisten sagt zu mir: „Er denkt wahrscheinlich, jetzt ist alles vorbei.“ Seine wochenlange Flucht – durch Afrika, übers Mittelmeer – alles umsonst. Wenn er das wirklich gedacht haben sollte, irrt er.

Bozen-1907

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Der teuerste Heimatfilm aller Zeiten

12/07/2015
V I D E O | V I C E   “Der Zirkus ist in der Stadt“: Polizisten kontrollieren Polizisten. Journalisten filmen sich selbst. Aktivisten singen immer das gleiche Lied. Beim G7-Gipfel haben wir das Making-of zum wohl teuersten Heimatfilm in der Geschichte Deutschlands gedreht. Sebastian Weis vor der Kamera, ich dahinter.

Am ersten Juliwochenende haben sich die Regierungschefs der sieben sogenannten wichtigsten Industrienationen zum G7-Gipfel getroffen. Das Treffen fand im Schlosshotel Elmau in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen statt. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen beim letzten Treffen in Deutschland in Heiligendamm 2007 wurde auch in Bayern mit heftigen Protesten durch G7-Gegner gerechnet. Die Polizei reagierte—mit dem größten Polizeiaufgebot in der Geschichte Bayerns.

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Die Obdachlosenfrisörin

18/05/2015
V I D E O | E M S   Franziska Dinter wird von einem Zug überrollt. Monatelang liegt sie im Koma. Als sie aufwacht, ist alles weg: ihr Mann, ihr Haus, ihr Friseursalon. Das ist der Moment, in dem sie beschließt, anderen zu helfen.

Franziska Dinter schneidet Menschen die Haare, die sich das nicht mehr leisten können. Immer mittwochs in der Mission am Bahnhof Zoo. Immer freitags in der Wärmestube in Königs Wusterhausen. Jeden Tag der Woche an einem anderen Ort. Dafür verlangt sie kein Geld, obwohl sie selbst von 600,- Euro im Monat lebt.

Warum macht sie das? Gemeinsam mit Mara Nolte habe ich Franziska Dinter auf ihrer allwöchtlichen Tour begleitet. Ganz am Ende sind wir mit ihr zu dem Bahnübergang gefahren, an dem sie vor vielen Jahren von einem Zug überrollt wurde. Es ist der Ort, an dem sich ihr Leben radikal änderte.

Der 10-minütige Dokumentarfilm ist das Abschlussprojekt unserer TV-Ausbildung an der Electronic Media School.

„Das Erste, was den Menschen verloren geht, […] das ist die Menschenwürde. Dann legen sie kein Wert mehr auf ihr Äußeres. Weder auf Haare, auf Zähne, noch auf Schuhe. Und dann werden sie als Assi abgestempelt. Ich bin so dankbar, dass beim Unfall vieles kaputt gegangen ist. Aber das, was ich zum Haareschneiden brauche, ist unverletzt geblieben.“

Franziska Dinter

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